Stoaklopfer – Traum

 

In Namibia gibt es nicht nur Diamanten

 

Ein Erlebnisbericht von Sven Polenz und

Gerhard Pamler

 

Namibia steht seit einigen Jahren ziemlich weit oben auf der Fernreise-Wunschliste vieler Deutscher. Das liegt sicherlich an dem angenehm warmen und trockenen Klima, das oftmals wochenlang Sonnenschein verspricht. Neben den deutschen Wurzeln, die an vielen Stellen noch anzutreffen sind, reizt die Natur sicher am meisten zu einem Trip zwischen Wüsten, Savannen und den unterschiedlichen Bergformationen.

Da war es kein Wunder, dass bei einem der monatlichen Steinklopfertreffen in Roth der Gedanke an eine Mineralienexkursion nach Namibia geboren wurde.

 

So machten sich Annelie, Hartwig, Gerhard und Sven aus der AWO-Mineraliengruppe im April 2007 auf den Weg in den Süden. Dabei stand uns der Sinn nicht nur nach Natur schlechthin, sondern insbesondere nach den mineralogischen Sehenswürdigkeiten des Landes.

Gemeinsam mit sechs anderen Sammlerfreunden und zwei ortskundigen Guides wurde in Windhoek zu einer dreiwöchigen Rundtour über rund 4500 km gestartet.

 

Auf den Börsen in München und anderswo hatten wir schon oft die faszinierenden Stufen aus dem Erongo oder vom Brandberg gesehen, doch ob wir auch selbst einmal solche Kristalle würden bergen können? Oder die prächtigen Turmaline, Schörl-Kristalle und Topase, die uns schon vorher aus den Mineralienführern aller Verlage anlachten – würden wir so etwas auch außerhalb von Mineralienhandlungen zu Gesicht bekommen?

 

 

Also hielten wir uns nicht lange bei der Vorrede auf und machten uns mit „unserem“ Wüstengefährt auf die Reise. In den ersten Tagen faszinierte uns vor allem die Landschaft der Namib-Wüste, wobei die unglaubliche Trockenheit dieses Landstrichs vor allem zwischen den bis zu 200 m hohen rötlichen Sanddünen des Sossusvleis erlebbar wurde. Egal, ob bei einer Ballonfahrt zum Sonnenaufgang, einer Dünenersteigung in die absolute Ruhe und scheinbare Unendlichkeit oder während eines mittäglichen Trips in die Gluthitze - hier kamen wir dem Begriff „Afrika“ schon sehr nah. Mineralien kamen vorerst keine in Sicht, doch nahmen wir von hier die Erkenntnis mit, wie angenehm doch das Wohnen in den gemäßigten Breiten Mitteleuropas auf einmal wirkt.

 

 

Erste Funde stellten sich dann in der Gamsberg-Region auf der Rooisand-Gästefarm ein, auch wenn wir zunächst etwas ratlos die wenig brillanten „grünen Amethyste“ begutachteten. Im Nachhinein gelingt die Einordnung weit besser, wenn man den gleichen Habitus plötzlich im Unterbau von „Kaktus-Quarzen“ aus Südafrika wieder erkennt, dessen grünlicher Schimmer zunächst etwas rätselhaft wirkte.

 

Nach diesem Auftakt wussten wir noch nicht, dass wir in den nächsten Tagen viel vom Glanz und Elend der Mineralienfunde mitbekommen sollten.

Im Bereich der Neuschwaben-Mine und des Erongo-Gebirges standen herrliche Rauchquarze (als Treppen-/Babylon-Quarze), Turmaline und Aquamarine im Mittelpunkt des Interesses. Mit Heinz-Peter als Geologen und Rudolf als erfahrenem Sammler hatten wir zwei kundige Partner an unserer Seite, die gemeinsam mit dem Geologen und Edelstein-Spezialisten Jörg die mineralogische Führung der Gruppe übernehmen konnten.

 

 

Auch wenn sich die Eigenfunde bei einer Wanderung über die Ameib-Ranch in Grenzen hielten, gewannen wir doch ein beeindruckendes Bild von den Granitmassen dieser Gegend, die bei „Bulls Party“ unter dem Einfluss der Winderosion zu teilweise riesigen Kugeln verwittern oder wegen der immensen Temperaturunterschiede schalenförmig vom Grundgestein abplatzen. Dabei werden dann auch Schörl-Kristalle freigelegt, die uns ahnen ließen, wo all die prächtigen Kristalle herkamen, die uns am Straßenrand von den Diggern für wenig Geld angeboten wurden. Hier fragte sich manch einer aus der Gruppe zum ersten Mal, ob es angesichts der Lebensverhältnisse dieser Menschen überhaupt angemessen ist, um den ohnehin niedrigen geforderten Preis noch zu feilschen …

Diese soziale Dimension wurde auch dem Letzten in der Gruppe klar, als wir für zwei Nächte im Restcamp an der Spitzkoppe einkehrten. Hier erwartete uns nicht der Luxus einer Rooisand-Gästefarm oder Palmwag-Lodge, sondern das naturnahe Ambiente eines von engagierten Einwohnern geführten kommunalen Camps. Die Anschubfinanzierung lieferten die Entwicklungshilfe und die Konrad-Adenauer-Stiftung, doch nun schlagen sich die örtlichen Betreiber mehr schlecht als recht durch. Es fehlt an Wasser und an professioneller Werbung - und damit auch an Gästen. Und deshalb lässt sich auch nur wenig verdienen in dieser von Arbeitslosigkeit so stark betroffenen Gegend.

Wie groß die Freude war, als dann plötzlich bei Einbruch der Dunkelheit unser Truck mit 12 zahlenden Gästen vorfuhr, ist sicher leicht nachvollziehbar. So wurde dieser Abend in der überaus malerischen Hüttensiedlung am Fuße der Spitzkoppe für uns zum emotionalen Höhepunkt der ganzen Tour: mit einfachem Essen, ehrlichem Gesang für die so willkommenen Gäste, einem gemeinsamen Tänzchen und der ersten Bekanntschaft mit dem uns bis dahin unbekannten Amarula, einem süffigen Likör aus der Marula-Frucht.

 

 

Am nächsten Morgen ging es dann zu einer Fundstelle in der Ebene am Rande der Kleinen Spitzkoppe. Nicht jeder hatte das Glück, ein paar der hier oftmals wasserklaren, nur in Spuren gelblichen oder bläulichen Topase zu finden, doch zumindest ein paar Rauchquarze konnte wohl jeder bergen.

 

An gleicher Stelle waren sowohl einzelne Digger als auch ein von Russen betriebener halbindustrieller Abbau im Gange, so dass die eigenen Funde wiederum um schöne Topase und Aquamarine ergänzt werden konnten.

 

Je weiter die Gruppe nach Norden vordrang, umso ergiebiger wurden die Funde, die das Gewicht unserer Koffer immer mehr der Freigepäckgrenze annäherten.

 

 

Da war es gut, dass bei einem Zwischenstopp in Swakopmund bei angenehm frischen Temperaturen die bisherigen Funde gesichtet und sortiert werden konnten. Natürlich brachte diese Stadt auch einen Exkurs in die gemeinsame Geschichte, von der heute noch die sehr deutsch wirkenden Fassaden der vor gut 100 Jahren errichteten Häuser zeugen. Dass sich jedoch auch hier ein Wandel vollzieht, erkennt man am deutlichsten an den Straßennamen, die in den letzten Jahren weg von den alten deutschen hin zu namibischen Bezeichnungen umbenannt wurden.

 

 

Nach einem letzten Rock-Shandy, der herrlich kühlen Erfrischung am Abend, ging es dann vom Meer zurück in die Glut der Wüste am Brandberg mit der höchsten Erhebung Namibias, dem 2573 hohen Königstein. In den Gobobosebbergen, ganz in der Nähe des Tafelkopfs, fanden wir uns bald wieder an den Hängen oberhalb der Palfi-Mine.

 

 

Hier war der Reichtum an Drusen am beeindruckendsten, und so mancher Fensterquarz oder Amethyst wanderte in unsere Sammler-Rucksäcke.

 

 

Dass dabei auch die eine oder andere „Libelle“ mit in Quarzkristallen eingeschlossenem, Jahrmillionen altem Wasser war, ist den meisten wohl erst beim Durchsehen der Funde zuhause aufgefallen.

 

 

Auf der weiteren Fahrt nach Norden in das Kaokoveld durfte natürlich ein Abstecher zum versteinerten Wald bei Khorixas nicht fehlen. Die Größe der hier herumliegenden, mehrere Meter langen und bis zu einen halben Meter dicken verkieselten Stämme ist beeindruckend, auch wenn sich unsere einheimischen Funde aus dem Landkreis von der Farbigkeit her hier nicht verstecken müssen.

Unerwartet üppig und reizvoll wurde die Landschaft dann bei einem Abstecher zur Steiner-Mine, wo der kurz vorher gefallene Regen das ansonsten eher steingrau karge und staubige Bild mit einem fast mitteleuropäisch anmutenden grünen Schleier überzogen hatte.

 

 

Eins drauf setzten dann natürlich noch die prächtig grünen Dioptas-Kristalle, die wir mit Hammer und Meißel in der Mine herausschlagen oder im Abraum sammeln konnten. Den blendenden Eindruck dieses magischen Ortes verstärkte noch unser aus herrlichem Gestein aufgemauertes zünftiges Quartier in der Farm „Zur schönen Aussicht“ und der abends hoch über dem Tal genossene Sundowner. Ein herzliches „Dankeschön“ gilt insbesondere unserem Gastgeber Mario Steiner, der hier am Ende der Welt Unglaubliches leistete.

Da war es dann schon ein in jeder Hinsicht großer Sprung hin zur Okorusu-Mine, der größten Flussspatmine Namibias.

 

 

Aus dem alkalischen Gesteinskörper mit komplexem Aufbau werden im Tagebau monatlich 250.000 t Erz gefördert, das vor Ort zu 12.000 t Flussspat mit einer Reinheit von 97 % aufbereitet wird. Insofern hatten wir keine Bedenken, pro Nase etwa 3 Kilo prächtiger Stufen aus der Grube zu tragen, die wir dank der zuvorkommenden Führung durch die Abbaufelder der Mine vor Ort bergen konnten.

 

Natürlich haben wir nicht nur Steine gesehen, sondern auch viel von der belebten Natur mitbekommen. Gewaltige Affenbrotbäume, die Vielzahl der Termitenhügel, Springböcke und Strauße am Rande der Pisten wurden dann aber noch einmal gewaltig übertroffen von den Eindrücken, die wir am Rande der Etosha-Pfanne sammeln konnten.

 

 

Wer einmal aus wenigen Metern den in freier Wildbahn lebenden Antilopen, Giraffen, Gnus und Elefanten zugesehen hat, wird dieses Bild sicher ein Leben lang im Herzen tragen.

 

 

All diese Eindrücke werden abgerundet von der Erinnerung an die Herero-Frauen in ihren viktorianischen Trachten, an die einfache Lebensart der Himbas im Kaokoveld und die vielen anderen Bevölkerungsgruppen, die uns so freundlich begleiteten.

 

Ein Fazit?

 

Unsere Ausbeute an Kristallen und Stufen enthielt viele hervorragende Stücke und hat jeden von uns zufrieden gestellt. Allerdings darf nicht der Eindruck entstehen, dass Suche und Bergung der Mineralien in dieser grandiosen Landschaft einfach wären. Durch die Weitläufigkeit des Landes, den oftmals nur schwer zu bearbeitenden Boden und die Berücksichtigung unterschiedlichster Besitzverhältnisse war manche Suche erfolglos und gute Eigenfunde waren rar. Doch gerade auf diese guten Funde sind wir besonders stolz.

Eine ideale Ergänzung dazu bildeten das reichhaltige Angebot bei den Schürfern vor Ort und in den wenigen Fachgeschäften.

 

Das alles wäre nicht möglich gewesen ohne unseren aufopferungsvollen Guide Attila Pereghy, der nicht nur ständig am Steuer saß, sondern uns gemeinsam mit seinem namibischen Mitstreiter Wilfried kundig durch das Land führte. Es ist sicherlich vor allem ihr Verdienst, wenn wir Vier von der AWO Roth am Schluss sagten:

„Bye, bye – und auf Wiedersehen!“.

 

 

Einheimische Händler an der Piste

(mit unserem Edelsteinspezialisten Dipl. Min.

Jörg-Thomas Müller,)

 

 

Gerhard, Annelie und Hartwig mit den Hölzern

des „Versteinerten Waldes“ von Khorixas

fotografiert von Sven

Unsere Reiseroute mit den Fundstellen

 

 

Fundstellen:

 

A         Kleine Spitzkoppe

 

B         Palfi-Mine (Goboboseb-Berge)

 

C         Dioptas-Mine (Marius Steiner,

            Kaokoveld)

 

D         Okorusu-Mine (Otavi-Bergland)

 

Selbstgefundene Mineralien

aus Namibia

 

 

Rauchquarzkristalle aus dem alten Tagebau

(Fundstelle A)

 

 

Orthoklas mit Rauchquarz (Fundstelle A)

 

 

Topas von einer Freifläche (Fundstelle A)

 

 

Bergkristall mit Amethyst-Rauchquarz-Färbung innen (Fundstelle B)

 

 

Dioptas im Gelände der Farm „Zur schönen Aussicht“ (Fundstelle C)

 

 

Schöne leuchtende Dioptas-Kristalle

(Fundstelle C)

 

 

Fluorit (Fundstelle D)

 

 

Alle Mineralien und Fotos von Gerhard Pamler

 

 

Nachsatz in eigener Sache

 

Unseren Namibia-Fahrern Gerhard Pamler, Hartwig Hillegeist, Sven Polenz und Annelie Petry, die mit Attila Pereghy unterwegs waren, ist dieser Sonderauszug aus dem 116 seitigen Jubiläumsbuch gewidmet.

 

Mit einem herzlichen „Glück auf“