Strahlerglück im Tujetsch

 

 

Exkursion in die Schweiz (Sedrun, Graubünden), 16.06. - 23.06.2007

 

Ende Juni startete die AWO Mineraliengruppe auf große Jahrsexkursion in die Schweiz. Ziel war Rueras, ein kleiner Ort beim Sedrun in Graubünden, bekannt durch berühmte Strahlergenerationen (die Kristalle nennt man in der Schweiz "Strahlen", der Mineraliensucher ist der "Strahler"). Namen wie z.B. Venzin, Curschellas, Cavegn und Monn, um nur einige zu nennen sind über die Grenzen der Schweiz hinaus bestens bekannt. Auch Gion Bearth und Giuanna Beer sind mit dem Strahlen verbunden und genau diese wollten wir besuchen.

 

Nachdem wir bei Giuanna Quartier bezogen hatten, machten wir uns zu einer kleinen Inspektion der alten Kluft am Rhein auf, in der Klaus auf der Vorexkursion 2006 mehrere schöne Bergkristallstufen bergen konnte.

 

 

Die Kluft war aber von anderen weiter ausgebeutet worden und deshalb konnten nur noch einige Belegstücke gefunden werden. Trotzdem war am Abend beste Stimmung und die Erwartungen waren genauso gut wie es das Wetter, das für den nächsten Tag angekündigt war.

 

Am Sonntag ist in Graubünden Strahl-Verbot und deshalb machten wir einen Abstecher ins nahe gelegene Val Bedretto

 

 

 

(Tessin) wo wir bereits zweimal mit der Gruppe waren.

 

 

An der Nadelquarzfundstelle von Marco Pacciorini erfuhren wir dann, dass die Mine für Besucher z. Z. gesperrt ist und so machten wir eine schöne Wanderung entlang des Ticino zum Giacomobach. Über den Gotthard- und den Oberalppass fuhren wir dann wieder zurück nach Rueras. Am Abend besprachen wir mit Gion die geplante Tour zum Rauchquarze suchen für einen die nächsten Tage.

 

Die Sonne strahlte vom Himmel, und so verloren wir am Montag keine Zeit und besorgten uns die Strahlerpatente bei der Gemeindeverwaltung in Sedrun.

 

 

Anschließend fuhren wir nach Surrein am Eingang vom Val Nalps, um in dem felsigen Waldgebiet nach eventuellen Klüften zu suchen. Natürlich ist es für einen Ortsfremden nicht leicht entsprechende Stellen zu finden und so begnügten wir uns, die nicht belegten alten Klüfte auf Fundmöglichkeiten hin zu untersuchen. Auch abgebrochene Felspartien im Rhein waren ein gute Möglichkeit um Bergkristalle mit Rutil und Anatas zu finden.

 

 

Die Gruppe verteilte sich im Laufe des Tages an mehreren Fundstellen und als wir uns wieder am säten Nachmittag zur Rückfahrt trafen, machten alle strahlende Gesichter. Von Bergkristall-Doppelendern von 10 cm Länge oder größeren Stufen mit Bergkristall (2-3 cm) und Rutil (1 cm) oder auch Anatase mit 2 mm Größe, jeder hatte etwas vorzuweisen und die Qualität der Mineralstufen übertraf bei Weitem die eines Belegstückes. Unsere Erwartungen wurden weit übertroffen. Nach einem gemütlichen Abend hofften wir für den nächsten Morgen auf schönes Wetter.

 

Am Dienstag um 7 Uhr ging es dann los nach einer kurzen Anfahrt ins Val Mila erfolgte dann der Aufstieg über einen Jägersteig in Richtung Alp Caschlé. Für uns Flachlandtiroler war es auch entsprechend anstrengend. Nach ca. 3 Std. war das Zielgebiet um die Hexenplatte erreicht und die bereits ausgebeuteten Klüfte einheimischer Strahler wurden nach übersehenen Spitzen durchsucht. Gut ins Zeitungspapier verpackt wanderte so manche übersehene Spitze in unsere Rucksäcke. Trotzdem blieb uns noch der Blick für die fantastische Natur hier oben.

 

 

Der Culmatsch und das Val Strem von unserem Standort aus ca. 2200 m Höhe gesehen, das war schon ein tolles Erlebnis. Als gegen 16 Uhr uns Gion schon zum Aufbruch mahnte, gelang dann Georg der entscheidende Fund. Nach anfänglich lustlosen wegräumen von Gras und Erde an einem Quarzband neben einer alten Kluft, öffnete sich plötzlich ein größerer Hohlraum gefüllt mit Rauchquarzen von hell- bis dunkelbrauner Farbe. Die noch mit Lehm und Erde verschmierten Stücke wurden dann in Gemeinschaftsarbeit aus der Kluft genommen, eingepackt, und im Rucksack verstaut bis er voll war.

Zu weiteren Kluftarbeiten blieb leider keine Zeit mehr und so machten wir uns nur widerwillig auf den Rückweg. Beim Abstieg kreisten die Gedanken von Georg um die zurückgelassene, bestimmt noch mehr Kristalle enthaltende, erste, selbst gefundene Rauchquarzkluft. Wird er jemals wieder hier herkommen? Am Abend waren alle fix und fertig und so gingen wir auch entsprechend zeitig ins Bett. Georg war sogar zum Waschen einer seiner Rauchquarzstufen zu müde.

 

Weil am Mittwoch das Wetter noch einigermaßen schön sein sollte, entschlossen wir uns zu einer Fahrt über die 4 Pässe Oberalp, Gotthard, Nufenen und Furka zu machen. Das Wetter hielt, und so verbrachten wir einen weniger anstrengenden Tag mit dem Sammeln von Eindrücken, die wir auf der Fahrt gewinnen konnten.

 

 

Beängstigend ist der Rückgang des Rhonegletschers. Dort, war vor 10 Jahren noch Eis und Schnee lagen, schaute nur noch der blanke Fels heraus. Am Abend hatte sich Georg soweit erholt, dass er eine seiner Rauchquarzstufen wusch und uns stolz präsentierte. Wir waren von der Qualität und dunkelbraunen Farbe sehr beeindruckt.

 

 

Am Donnerstag regnete es morgens und so wurden Einkäufe erledigt und die gefundenen Kristallstufen gewaschen. So manche Überraschung kam dabei ans Tageslicht. Längliche Kalzitkrusten entpuppten sich auf einer Bergkristallstufe von Gerhard als 1,5 cm langer Rutil. Auch die Rauchquarzfunde von Christian erstrahlten nach dem Waschen in vollem Glanz. Nach einem schönen Regenbogen kam am Nachmittag wieder die Sonne heraus und so beschlossen Gerhard und Christian noch einmal die Klüfte am Rhein aufzusuchen.

 

 

Der am Knie lädierte Klaus, sowie Margot, Georg, Elke und Ernst machten von Rueras nach Surrein eine Wanderung am Rhein entlang. Hier konnte man auch gut die Bauarbeiten an der zukünftigen Haltestelle von Sedrun der NEAT beobachten. Nach ca. 1 km Stollen in den Berg, geht es dann 800 m tief zum Gotthardbasistunnel in einem Schacht hinunter. Die zweite geplante Tour mit Gion fiel buchstäblich ins Wasser, denn es regnete am Freitagmorgen ziemlich stark.

 

 

Ein Besuch in den Ausstellungsräumen des Alptransit bot sich daher als Vormittagsprogramm an. Dieser Besuch darf bei einem Aufenthalt in Sedrun natürlich auch nicht fehlen. Dieser Tunnel ist mit 57 km Länge auch ein imposantes Bauwerk.

 

 

Am Nachmittag machte es Gion möglich, das Museum La Truaisch zu besuchen (offiziell war es noch wegen Umbauarbeiten geschlossen). Im Kristallkeller konnten wir dann auch die Stufen bewundern, die man sonst nur aus Fachzeitschriften und Büchern kennt, und die das Tujetsch auch mineralogisch so bekannt gemacht haben.

 

 

Beim gemeinsamen Abendessen im Hotel Post in Rueras hieß es dann Abschied

nehmen von einem wunderschönen Fleckchen Erde, das wir bestimmt nicht zu letzten Mal besucht haben werden.

Die Rückreise am Samstag verlief ohne Probleme und so waren wir gegen 16 Uhr wieder in Franken zurück.

 

 

Unser Dank gilt besonders Giuanna und Gion für ihre herzliche Aufnahme. Bei Gion Bearth und Luis Curschellas bedanken wir uns für die Kleinstufen für unsere Jugendgruppe AWO-Miner-Kids, die wir gerne weitergeben. Das Interesse für das Strahlen und die Natur darf nicht verloren gehen.

 

Klaus Pusch